Texte zur Diskussion Publikationsdauer: bis Ende 2008
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Leoš Janáček: “Tagebuch eines Verschollenen” — “Zápisník zmizelého” (JW V/12)

 

Wir stellen hier die neue deutsche Übersetzung von Eberhard Maria Zumbroich zur Diskussion. Die bisher meist verwendete Textform von Max Brod wird immer wieder kritisiert und als veraltet bezeichnet. Eine dem originalen Wortlaut möglichst nahekommende Übersetzung wird erwartet, bereitet aber stets Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Text-Silben für die Singstimme. Zudem werfen die gereimten Strophen spezielle Probleme auf. Diese Übersetzung wählt nun einen moderneren Sprachstil und versucht, die von Brod oft unter Reimzwang erfolgte Wortwahl zu verbessern und näher an den originalen Wortlaut heranzubringen.

Weitere Übersetzungen in die deutsche Sprache > Tagebuch

 

  Bei der Aufführung in der Originalsprache stellt sich das Problem, mit welcher Übersetzung man das deutsch-sprachige Publikum über den Handlungsablauf orientieren soll. Hier wird die möglichst wörtliche Übersetzung angestrebt.
   
 

Leoš Janáček: “Tagebuch eines Verschollenen", nach Gedichten von Ozef Kalda

Vorbemerkung:     Der nachstehende Text zeigt in drei Spalten zum Vergleich
linke Spalte          die deutschsprachige Übertragung von E.M.Zumbroich (2006 / 2008)
mittlere Spalte     die Gedichte von Ozef Kalda (1916, anonym)
rechte Spalte       die Übersetzung von Max Brod in den Noten der Erstausgabe (vor 1921).

* Texte in runden () Klammern sind wiederholend vertonte Textstellen. (Anm. d. Übersetzers)

     
Tagebuch eines Verschollenen  Zápisník zmizelého Tagebuch eines Verschollenen
     
© Eberhard Maria Zumbroich (* 1933) Ozef Kalda (1871-1921)  Max Brod (1884-1968)
deutsch:  Gaildorf, 07.06.-02.08.2006  walacho-mährisch: deutsch: Brünn 1921
Hukvaldy/Lhotka,   11.09.-29.09.2006 Brno, 14. und 21.05.1916, Oldřich Pazdírek, Erstausg.
Gaildorf, Jan./Feb. 2007, 05.05.2008 Lidové noviny (anonym)  
     
I-1 I-1 I-1
Da war ein junges Zigeunerweib,  Potkal jsem mladou cigánku,  Ich traf eine junge Zigeunerin,
leichtfüßig wie ein Reh,  nesla se jako laň, leicht schritt sie wie ein Reh,
Zöpfe schwarz vor den Brüsten přes prsa černé lelíký  schwarz auf der Brust die Zöpfe,
und Augen so abgrundtief. a oči bez dna zhlaň. das Auge ein finstrer See.
     
Sie sah mich unergründlich an,  Pohledla po mně zhlboka, So hat sie tief mich angeblickt,
sprang fort übern Baumstumpf; pak vznesla sa přes peň, bis flink sie davonsprang,
aber im Kopf - da blieb sie mir  a tak mi v hlavĕ ostala und blieb mir so im Kopf zurück
den ganzen Tag  přes celučký wohl Nacht und Tag,
(den ganzen Tag).*   (celučký) deň. Nacht und Tag lang
     
II-2 II-2 II-2
Noch immer treibt sich die Ta černá cigánka Ist sie noch immer da,
Ziganka da herum. kolem sa posmĕtá,  diese Zigeunerin?
Warum bleibt sie noch da,  proč sa tady drží Geht sie noch nicht weiter,
(warum bleibt sie noch da)? (proč sa tady drží), (geht sie noch nicht weiter),
Was zieht sie nicht weiter? proč nejde do svĕta? nicht in die Welt hinaus?
warum nicht möglichst (proč nejde, proč nejde (geht sie noch nicht in die
weit weg von hier? do světa?) Welt hinaus?)
     
Wohl wär ich fröhlicher, Byl bych snad veselší, Wohl wär`s ein Glück für mich,
wenn sie nur erst fort wär; gdyby odjít chtěla; wollt’ sie abseits treten;
ich lief zum Dankgebet šel bych sa pomodlit gleich wär ich fröhlich
alsbald in die Kirche. hnedkaj do kostela. und ging zur Kirche beten.
     
III-3 III-3 III-3
Sanktjohanniswürmchen  Svjatojanské mušky Wie der Glühwürmchen Spiel
tanzen dort am Dorfbach*, tančija po hrázi*,  am Heckenrand sich breitet,
wo in der Dämmerung gdosi sa v podvečer und ein Schritt langsam
schlendert wer so dahin. podle ní prochází. den Heckenrand abschreitet.
     
Warte nicht, dass ich komm, Nečekaj, nevyjdu, Warte nicht, warte nicht,
bin nicht zu verführen; nedám já sa zlákat, wirst mich nicht erlauern,
hinterher müsste sonst mosela by po téj ach wie sehr müßt nachher
meine Mutter weinen. má mamĕnka plakat. meine Mutter trauern.
     
Fort ist der liebe Mond,  Měsíček zachodí  Dunkel die Nacht und das
man kann nichts mehr sehen. už nic vidět není,  Herz in bangen Sorgen,
Steht da…?, da steht doch  stojí gdosi stojí jemand steht bei unsrer
in unsrer Scheune jemand. v našem záhumení. Scheune wohl verborgen.
     
Irrlichtäugelein Dvoje světélka Glühn zwei Augen und
funkeln ins Dunkel hin.  záříja do noci. wollen mich hinleiten.
Gott bewahre! Du, mein Herrgott! Pane Bože (Pane Bože), Du mein Heiland, du mein Gott,
Nicht doch ! ne daj!  erlaub’s nicht!
Steh mir bei, komm mir zu Hilfe! Stoj mi (stoj mi) ku pomoci! Steh, o steh mir treu zur Seite!

 

*  In Kaldas zlinsker Lokaldialekt meint hráza einen längs mit Weiden bestandenen Bachlauf; vgl XII

 

IV-4 IV-4 IV-4
Die junge Schwalbenschar Už mladé vlaštúvky Zwitschern im Nest schon
zwitschert schon aus dem Nest. ve hnízdě vrnoží, die Schwalben so morgendlich,
Ich lag die ganze Nacht ležal sem celú noc ach und die ganze Nacht
grad wie auf Dorngestrüpp. jako na trnoži. lag wie in Dornen ich.
     
Schon zieht der Tag herauf,  Už sa aj svitání Nun schon das Morgenrot,
am Himmel zeigt er sich. na nebi patrní,  lieblicher Sonnenhusch,
Ich lag die ganze Nacht ležal sem celú noc ach und die ganze Nacht
nackend unter Dornen. jako nahý v trní. nackt ich im Dornenbusch

 

> [Ohne Pause weiter.] <

 

V-5 V-5 V-5
Schwer fällt mir das Ackern, Těško sa mi oře, Heut’ ist’s schwer zu pflügen.
habe kaum geschlafen;  vyspal sem sa málo, War kein Schlaf zu finden,
und als ich endlich schlief, a gdyž sem odespal: und wie ich doch einschlief:
träumt ich von uns beiden, o ní sa mi zdálo  da träumt’s nichts als Sünden,
(von ihr mit mir träumt ich)!  (o ní sa mi zdálo)! (da träumt’s nichts als Sünden)!
     
VI-6 VI-6 VI-6
Hajßi!* ihr alten Ochsen,  Hajsi, vy siví volci, Heisa! ihr grauen Ochsen,
passt doch auf, wohin ihr pflügt! bedlivo orajte,  pflügt mir das Feld geschickt,
Dahin nicht, nicht nach den Erlen, nic vy sa k olšině  nicht nach den Erlen dort,
ja nicht dahin umgeschaut! nic neohledajte! nicht mir zurückgeblickt!
     
Von der harten Erde Ode tvrdéj země  Springt der Pflug zurück von
springt mir ab die Pflugschar; pluh mi odskakuje, harten Ackerschollen,
eine buntgefleckte Schürze strakatý fěrtúšek was für ein Kopftuch dort,
schimmert durch die grünen Blätter. listím pobleskuje. möchtet ihr wissen wollen?
     
Wer dort auf mich wartet,  Gdo tam na mne čeká   Wollt’ doch, wer dort wartet,
soll doch gleich versteinert sein! nech rači zkamení - wollt’ gleich zu Staub vergehn.
Oh! mein armer Kopf,  moja chorá hlava Weh mir, weh den Sinnen,
der lichterloh in Flammen steht.  v jednom je plamení. wenn sie in Flammen stehn.
(Wer dort auf mich wartet, (Gdo tam na mne čeká (Wollt’ doch, wer dort wartet,
soll doch gleich versteinert sein!)  nech rači zkamení.) wollt’ gleich zu Staub vergehn.)

 

*   Hajß! bzw. hajßi! markiert eine walachische Aufforderung an ein Gespann. (Anm. d. Übersetzers) 

> [Längere Pause] <                                    

VII-7  VII-7  VII-7 
Jetzt ist das Pflöcklein weg  Ztratil sem kolíček, Wo ist das Pflöcklein hin,
am Pflug das aus der Achse. ztratil sem od nápravy,  das Pflöcklein von der Pflugschar?
Bleibt stehen, Öchselein, (bleibt stehen)!, postojte, volečci - (postojte)! Ihr Öchslein, haltet mir - (haltet  mir)!
muss mir ein neues machen. nový to vyspraví.  Muß mir ein neues schaffen.
Ich geh, eins zu holen, Půjdu si pro nĕho Gradaus, gradaus geh ich,
gradezu ins Gehölz. rovnú já do seče. vom Erlbusch hol ich’s her —
Was einem zugedacht, Co komu súzeno, flieh, wenn das Schicksal ruft,
dem entkommt man doch nicht. tomu neuteče. und doch entfliehst du nimmer!
     
VIII-8 VIII-8 VIII-8

Während dieses Liedes tritt unauffällig die Sängerin (Alt solo) ein. <

Seht nicht, ihr Öchselein, Nehleďte, volečci, Seht nicht, ihr Öchselein,
bange zur Pflugkehre; tesklivo k úvratím, ängstlich zur Wende hin,
sorgt euch doch nicht um mich, nebojte sa o mne, fürchtet euch nicht um mich,
werd nicht verloren gehn!   šak sa vám neztratím! da ich doch tapfer bin.
     
Seffka steht, die schwarze, Stojí černá Zefka Steht die schwarze Seffka,
dort, wo die Erlen stehn; v olšinĕ na kraju,  steht sie am Erlenrand,
Flittergolden blitzen  temné její oči ihre dunklen Augen
ihre Katzenaugen. jiskrú ligotajú. glühn wie Funkenbrand.
     
Sorgt euch nur um mich nicht! Nebojte sa o mne,  Wenn ich zu ihr trete,
Wo ich schon zu ihr geh, aj když k ni příkročím, laßt nur die Bangigkeit,
da werd ich auch ihrem dokažu zdorovat bösem Blick, bösem Blick
bösen Blick standhalten. uhrančlivým očím. trotzt’ ich immer, so auch heut.
     
IX-9  IX-9  IX-9 
“Willkommen, Janitschek,  “Vítaj, Janíčku, “Sei willkommen, Jan,
willkommen hier im Walde! vitaj tady v lese!  hier im dunklen Hagen!
Was doch für ein Glücksfall! Jaká šťastná trefa  Welch ein guter Zufall
Welch ein Zufall  (šťastná trefa), (guter Zufall)
führt denn dich des Weges? ťa sem cestú nese? hat dich her verschlagen?
     
Willkommen, Janitschek! Vítaj, Janíčku!  Mir willkommen, Jan!
Was du nur so dastehst: Co tak tady stojíš, Doch du stehst so lange,
blass und bleich, regungslos. bez krve, bez hnutí, ohne Blut, ohne Laut.
Ob du mich gar fürchtest?” či snad sa mne bojíš?” Ist dir vor mir bange?”
     
““Ich muss mich vor niemand ““Nemám já sa věru,  ““Braucht vor keinem Menschen,
fürchten, und überhaupt:  nemám sa koho bát,   braucht mir bange sein,
ich bin hergekommen - přišel sem si enom nur ein Pflockholz zuhaun,
muss einen Pflock schneiden, nákolníček uťat kam ich zum Wald herein,
nur einen Pflock schnitzen.””  (nákolníček uťat).”” (kam ich zum Wald herein)!””
     
“Lass doch, mein Janitschek, “Neřež můj Janíčku, “Laß es, mein liebster Jan,
lass doch diesen Holzpflock! neřež nákolníčku! mußt kein Messer schwingen!
Hör mir doch lieber zu, Rači si poslechni Hör mein Lied, hör es an,
hör ein Zigeunerlied!” cigánskú pěsničku!” wie’s die Zigeuner singen!””

 

[Drei Frauenstimmen - SSA - singen hinter der Szene, kaum vernehmlich:] <

 

[Gleich wie im Gebet, * [Ruky sepjala,  [Hand an Hand gefügt
so betrübt sang sie,  smutno zpívala, sang sie trauervoll,
und das Klagelied truchlá pěsnička und das düstre Lied
rührte ihm das Herz.]  srdcem hýbala.] süß ins Herz ihm schwoll.]

 

*  Kursiv gesetzte Texte in eckigen [] Klammern werden vom Frauenterzett gesungen. (Anm. d. Übersetzers)

> [Ohne Pause weiter.] <

X-10 X-10 X-10
“Gott da oben, du - unsterblich!  Bože dálný, nesmrtelný, “Gott dort oben, sag, warum nur
Was schufst du den Zigan bloß,   proč s’ cigánu život dal? schufst du das Zigeunerblut?
der doch ziellos durch die Welt irrt,  By bez cíle blúdil světem, Endlos hetzt man’s, endlos jagt man’s,
immerfort nur fortgejagt?  štván byl jenom dál a dál? und kein Ort zur Rast uns gut?
     
“Herzlieber Janitschek,  “Rozmilý Janíčku,  “Hast du geträumt, mein Jan,
hörst du die Lerchen auch?” čuješ-i skřivánky?”  horchst auf die Lerchen hin?”
[und das Klagelied [truchlá pěsnička [und das düstre Lied
rührte ihm das Herz.]  srdcem hýbala süß ins Herz ihm schwoll.]
“Komm an meine Seite, “Přisedni si přeca  “Setz dich doch ein Weilchen
setz dich zur Ziganka!” podlevá cigánky!” zu der Zigeunerin!”
     
“Gott, allmächtig, voll Erbarmen!   “Bože mocný! milosrdný! “Gott dort oben, Allerbarmer!
eh ich draufgeh in der wüsten Welt,  Než v pustém světě zahynu, Laß, eh ich in der Welt vergeh,
lass mich wissen, lass mich fühlen… daj mi poznat, daj mi cítit —  laß mich wissen, laß mich fühlen —
(lass mich spüren, lass mich spüren)!” (daj mi cítit, daj mi cítit)!” (laß mich fühlen, laß mich fühlen)!”
[und das Klagelied  [smutná pěsnička [und das düstre Lied
rührte ihm das Herz.] srdcem hýbala.] süß ins Herz ihm schwoll.]
     
“Stocksteif, starr wie eine “Pořád tady enom  “Stehst ja wie aus Stein da,
Salzsäule stehst du da. jak solný slp stojíš, blickst als wie im Fieber.
Alles kommt mir doch vor, všecko mi připadá Sieht fast wie Fürchten aus,
als ob du mich fürchtest. že sa ty mne bojíš? und vor mir, du Lieber?
     
Komm und setz dich zu mir, “Přisedni si blížej, Nicht so ganz vom Weiten,
aber nicht so weit weg! ne tak z povzdaleka, kannst dich näher strecken.
Ob dich meine Farbe …, či ťa moja barva ‘s ist wohl meine Farbe?
ist dir davor bange? přeca enom leká? Ja, die muß dich schrecken!
     
Ich bin nicht so dunkel,  Nejsu já tak černá Bin ich dir zu dunkel,
wie es dir jetzt vorkommt;  jak sa ti uzdává, deinem Aug ein Graus?
anders seh ich dort aus, gde nemože slnce, Wo die Sonn’ nicht hinscheint,
wo die Sonn` nicht hinkommt!”  jinší je postava!” seh ich anders aus!”
     
[Von ihrer Brust streifte  [Košulku na prsoch [Zog von der Brust sie sacht,
sanft sie das Hemdchen ab,  krapečku shrnula, zog sie ihr Hemdlein weg,
(von ihrer Brust streifte (košulku na prsoch (zog von der Brust sie sacht,
sanft sie das Hemdchen ab,) krapečku shrnula),  zog sie ihr Hemdlein weg,)
und all sein wildes Blut jemu sa všecka krev und all sein warmes Blut
schoss ihm ganz heiß zu Kopf, do hlavy vhrnula  stürzt’ ihm zu Kopf vor Schreck,
(und all sein wildes Blut (jemu sa všecka krev (und all sein warmes Blut
schoss ihm ganz heiß zu Kopf).] do hlavy vhrnula).]  stürzt’ ihm zu Kopf vor Schreck,)]
     
XI-11 XI-11 XI-11
Welch ein Duft im Walde, Tahne vůňa k lesu Von der Heidin Wangen
wenn der Buchweizen reift!* z rozkvetlé* pohanky Zauberduft weht so zart,
“Willst du sehen, Janek, Chceš-li, Janku, vidět, “Willst mich schlafen sehen
wie Zigeuner schlafen? jak spija cigánky?”  ganz nach Zigeunerart?”
Willst es wissen,  “Chceš-li vědĕt,**  (“Willst mich sehen?
(wie Zigeuner schlafen)?” (jak spija cigánky?”) Ganz nach Zigeunerart?”)

 

*      Der blühende (s. Kalda) Buchweizen duftet noch nicht.

**     Janáček schreibt statt vidět in der Wiederholung das steigernde vědět. (Anm. d. Übersetzers)


Sie brach ein Ästchen weg, Halúzku zlomila, Räumt’ sie ein Steinchen weg,
stieß ‘nen Stein beiseite: kameň odhodila: einen Ast zur Seite:
‘Husch! hab ich schon ein Bett’,  "Tož už mám ustlané', ‘Schon ist das Bett gemacht,
das klang übermütig.  v smíchu prohodila.  schon zur Nacht bereitet!’
     
“Erde - mein Kopfkissen, Zem je mi za polštář, “Polster der Waldboden,
Decke - das Himmelszelt;  nebem sa přikrývám. Decke des Himmels Zier,
vom Frühtau kalte Hände a rosú schladlé ruce  und kühlt der Tau die Hände,
mach ich im Schoß mir warm.” v klínĕ si zahřívám.” wärm ich im Schoß sie mir.”

 

[Die Sängerin unauffällig ab.] <

 

Nur in ihrem Rock V jednéj sukénce Trug ein Röckchen nur,
lag sie am Boden da, na zemi ležala,  lag auf dem Boden dort.
und meine Unschuld a moja poctivost Ach, wie jammernd wich
verlor sich unter Tränen, pláčem usedala, (ach, wie jammernd wich)
nur noch unter Tränen. (pláčem usedala). meine Keuschheit fort.


              
* Das althochdeutsche polstar, im Österreichischen als Polster geläufig, bedeutet hochdeutsch Kissen. (D, Ü,)

> [Längere Pause.] <

XII-12 XII-12 XII-12
Dunkler Erlenbruch, Tmavá olšinka, Dunkler Erlenwald,
brunnenkalter Bach *,  chladná studénka,  Brünnlein wunderkalt,
schwarz die Ziganka černá cigánka, schwarz das Heidenkind,
und so weiße Knie: bílé kolénka: weiß die Knielein sind:
Diese vier, solang ich lebe, na to štvero, co živ budu, Diesen vieren nie entrinnen,
die vergess ich nie und nimmer. nikdy já už nezabudu. nie vergessen kann mein Sinnen.

 

*      Bach stellt die einzig sinnvolle Begründung dieser Zeile als Beziehung zu dem Dialektwort hráza (III) her.

 

XIII-13 XIII-13 XIII-13

> [Klavier solo] <

> [Ohne Pause weiter.] <

 

XIV-14 XIV-14 XIV-14
Aufsteigt schon die Sonne,  Slnéčko sa zdvihá,  Sonn’ ist aufgegangen,
Schatten schwinden. tín sa krátí.  Nebel schweben.
Oh! was ich verloren  Oh! čeho sem pozbyl Ach, was ich verloren
(oh! was ich verloren), (oh! čeho sem pozbyl), (ach, was ich verloren),
Wer - (wer - wer) gibt das mir zurück? gdo (gdo, gdo) mi to navrátí? wer (wer, wer) kann’s mir wiedergeben?
Wer gibt mir das zurück? (Gdo mi to navrátí?) (Wer kann’s mir wiedergeben?)
     
     
XV-15 XV-15 XV-15
Meine braven Ochsen,  Moji siví volci,  Meine grauen Ochsen,
was seht ihr mich so an? co na mne hledíte? steht nur und seht mich an.
Dass ihr mich nur ja nicht, Esli vy to na mne, Wenn ihr mich verratet,
ja nicht verraten wollt!  esli vy povíte! wärt ihr mir übel dran.
     
Sonst werd die Peitsche an Nebudu já biča  Wenn ihr es saget, die
euch ich nicht schonen. na vás šanovat, Peitsche schon’ ich nicht,
Ihr werdet mir das be- budete to potem,  zahlt ihr mit Schweiß und Müh,
-reuen, das werdet ihr. budete banovat. was ihr mir angericht’!
     
Aber am schwersten wird Nejhorší však bude, Aber das Schwerste ist,
daheim am Mittagstisch,  vráťa sa k polednu, ob ich zu Mittag dann,
wie ich der Mutter noch  jak já jen maměnce ob ich der Mutter
soll in die Augen schaun! do očí pohlednu!   zuhaus ins Gesicht schaun kann!
     
XVI-16 XVI-16 XVI-16
Was hab ich da getan? Co sem to udĕlal? Was hab’ ich da getan?
Welch eine Vorstellung,  Jaká to vzpomnĕnka! Träume ich, wache ich?
wenn zur Zigeunerfrau  Gdyž bych já mĕl pravit Nennt die Zigeunerfrau
ich ‘Mama’ sagen soll, cigánce: maměnka. wirklich ihr ‘Söhnchen’ mich?
     
zu ihr ‘lieb Mütterlein’  Cigánce maměnka, Soll’n sie mir Eltern sein,
und zu ihm ‘Väterchen’! cigánu tatíček, mir das Zigeunerpaar?
Eher noch den kleinen rači bych si uťal  Lieber mir ein Messer,
Finger abgehauen! od ruky malíček!  lieber ins Herzblut klar!
     
Hoch stieg die Lerche auf,  Vyletěl skřivánek Flog eine Lerche auf,
weit fort vom Walnussbaum, vyletĕl z ořeší, flog mit hellem Singen,
mein betrübtes Herze,  moje truchlé srdce meiner Herzenstrauer
das kann keiner trösten. nigdo nepotĕší. ist kein Trost zu bringen.
     
XVII-17 XVII-17 XVII-17
Was einem zugedacht,  Co komu súzeno Flieh, wenn das Schicksal ruft,
dem entkommt man doch nicht. tomu neuteče. noch entfloh ihm keiner.
Seither lauf ich öfters  Spěchám já včil často Abends zu den Erlen
am Abend ins Gehölz. na večer do seče. eil’ ich im Mondscheine.
     
Und was ich da mache? Co tam chodím dĕlat? ‘s ist ein Erdbeerplätzchen
Was ich da wohl mache? (Co tam chodím dĕlat?) (‘s ist ein Erdbeerplätzchen).
Erdbeeren auflesen. Sbírám tam jahody. Hast du’s nicht längst gewußt?
Schiebst du ein Blättchen weg, Listeček odhrňa,  Streifst du ein Blättlein um,
kostest du Seligkeit. užiješ lahody kostest du Himmelslust.

 


> [Ohne Pause weiter.]                                             

 

XVIII-18  XVIII-18  XVIII-18 
Gar nichts kümmert mich mehr, Nedbám já včil o nic,  Nichts mehr, nichts mehr denk ich,
als nur dass Abend wär,  než aby večer byl, wünsch nur den Abend her —
und dass ich bei Seffka  abych já si s Zefkú daß ich schon bei Seffka
all die Nacht bliebe. celú noc pobyl. die Nacht lang wach wär’.
     
Sämtlichen Hähnen hier Povšeckým kohútom Allen den Hähnen rings
möcht ich den Kopf abhaun, hlavy bych zutínal,   möcht ich den Kopf abhaun.
dass auch nicht einer mehr to aby žádný z nich Rufen das Morgenrot,
morgens den Tag ankräht. svítání nevolal. und ich will’s nie mehr schaun.
     
Dass die Nacht doch bloß Gdyby chtěla noc Ewig Nacht fortan,
ewig andauerte na věky trvati, ewig geblieben,
und ich in Ewigkeit abych já na věky denn alle Ewigkeit
nur noch lieben könnte! mohl milovati. will ich nichts als lieben.

 

> [Längere Pause.] <

XIX-19  XIX-19  XIX-19 
Fliegt da eine Elster,  Letí straka letí, Wie die Elster wegfliegt,
hell klatscht ihr Flügelschlag. křidlama chlopotá, hurtig ihr Flügelschlag.
Meiner Schwester fehlt vom ztratila sa sestře Von der Schwester Zaun
Zaun ein Leinenhemdchen. košulenka z plota. verschwand ein Hemd am hellen Tag
     
Wer es genommen hat, Gdo jí ju ukradl, Wenn es die Schwester wüßt, 
oj! wenn sie das wüsste, oj, gdyby věděla, wer so gut stehlen kann,
würde sie mit mir věckrát by se mnú  spräch sie kein Wort mehr,
nie mehr ein Wort reden. řečňovat nechtěla. schaute mich nie mehr an.
     
O Gott, du lieber Gott! Oh, Bože, rozbože, Herr, meine Seele, wie
Ich kenne mich nicht mehr.  jak sem sa proměnil, anders mein Leben jetzt,
Mir ist all mein Denken, jak sem své myšlenky seit die Sündenliebe
gar mein Herz entfremdet. ve svém srdci změnil. mir das Herz besetzt!
     
Was ich gebetet hab,  Co sem sa modlíval, Wie ich gebetet hab,
hat der Kopf vergessen, už sa hlava zbyla, wie den Kopf zerrüttet!
grad als ob mit Sand al- jak gdyby sa pískem  Jetzt ist er ein Abgrund,
-les wär zugeschüttet. zhlybeň zařutila! voll mit Sand geschüttet!
     

> [Längere Pause.] <

XX-20 XX-20 XX-20
Ich hab eine Braut! Mám já panenku, Hab ein Jüngferlein -
Doch vom Knie (Knie) abgehoben ale po (po po) kolenka, die ist hoch (hoch, hoch) zu loben,
und schon vorgewölbt už sa jí zdvihá Um den Gürtel hin
ist das (gro-, gro-) grobe Hemdchen. režná (ko- ko-) košulenka. ist ihr Rock (Rock, Rock) gehoben.

 

> [Ohne Pause weiter.] <

 

XXI-21 XXI-21 XXI-21
Mein liebes Väterchen,  Můj drahý tatíčku, Vater, dem Tag fluch’ ich,
wie habt Ihr euch getäuscht, jak vy sa mýlíte,  der euch den Irrtum nimmt,
dass ich die heirate, že sa já ožením daß ich die Braut nehme,
die Ihr mir ausgesucht. kterú mi zvolíte. die ihr mir zubestimmt.
     
Jeder, der fehlte, mag Každý, kdo pochybil,  Jedem, der fehlte, folgt
leiden an seiner Schuld: nech trpí za vinu: Buße und Klagen.
Seinem Verhängnis ist  svojému osudu Vater, so muß auch ich,
gar nicht auszuweichen.  rovněž nevyminu! muß mein Schicksal tragen.
     
XXII-22 XXII-22 XXII-22
Nun leb wohl,* Heimatland,  S Bohem, rodný kraju,  Leb denn wohl, Heimatland,
lebe wohl, trautes Dorf! s Bohem, má dědino! leb denn wohl, Heimatsort!
Trennung auf immer, das Na vždy sa rozlúčit, Übrig blieb dies allein,
bleibt mir als letzte Wahl. zbývá mi jedino. übrig dies Abschiedswort.
     
Nun mit Gott, Väterchen, S Bohem, můj tatíčku,  Lieber Vater, grollet nicht,
und auch Ihr, Mütterlein,  a i Vy maměnko, und auch Ihr, Mütterlein,
nun mit Gott, Schwesterherz, s Bohem, má sestřičko,  und leb wohl, Schwester mein,
Trost meiner Augen, du!  mých oči poměnko! du meiner Augen Licht!
     
Noch die Hand küss ich euch,  Ruce Vám obtúlám,  Könnt’ ich nur einmal noch,
bitte um Vergebung; žádám odpuštění, könnt’ euch küssen und abbitten!
aber zur Wiederkehr  už pro mne návratu Doch kein Weg führt zurück
führt mich gar kein Weg mehr! žádnou cestou není! meinen traurigen Schritten!
     
Was alles kommen soll, Chci všechno podniknút,  Was bestimmt, trag ich nun,
kommt nun aus Schicksals Hand: co osud poručí —   trag es in Not und Harm,
Mich erwartet Seffka Zefka na mne čeká, Seffka steht, wartet schon
mit dem Sohn auf dem Arm. se synem v náručí. und mein Sohn ihr im Arm!


*      S Bohem: ursprünglich wörtlich Mit Gott, gegenwärtig umgangssprachlich synonym mit Leb wohl;

              hier sinngemäß fallweise personen- bzw. sachbezogen zugeordnet.         

© April 2008 by Eberhard Maria Zumbroich